Home

News


Final viewing of Nazi-theft Klimts

Paintings worth $300 million to be given to Jewish family

Sunday, February 5, 2006 Posted: 1227 GMT (2027 HKT)

Maria Altmann stands next to a print of a Klimt painting of her aunt,
"Portrait of Adele Bloch-Bauer," at her home in Los Angeles.

VIENNA, Austria (AP) -- A Vienna museum extended its opening hours Sunday to
give visitors a final chance to view five precious Gustav Klimt paintings --
works that a court has ordered to be returned to a California woman who says
the Nazis stole them from her family.

Art lovers have been lining up over the weekend for a glimpse of the
paintings before they are pulled down Monday and packed up at Vienna's
prestigious Belvedere Galley, housed in the Austrian capital's ornate
Belvedere castle. The gallery said it would remain open through 6 p.m. (1700
GMT) Sunday as a concession.

Gallery director Gerbert Frodl said a multimedia presentation would be
created so future visitors would be able to learn the history of the
paintings, which are considered a national treasure in Austria.

Last week, Austria's government said it could not afford to buy back the
works, which were valued collectively at Û248 million ($300 million) and
said it would return them to Maria Altmann of California, who says the Nazis
confiscated them from her Jewish family in the runup to World War II. An
arbitration court upheld her claim last month.

Altmann, 89, a retired Beverly Hills clothing boutique operator, was one of
the heirs of the family that owned the paintings before the Nazis took over
Austria in 1938.

Although she waged a seven-year legal battle to recover them, she had also
made clear that she preferred the works to remain on public display rather
than disappear into a private collection.

Austria's decision to give up the artworks, which have been displayed for
decades at the Belvedere, represents the costliest concession since it began
returning valuable art objects looted by the Nazis under a cultural property
return law enacted in 1998.

Among the Klimt works is the gold-flecked "Adele Bloch-Bauer I," which has
been widely replicated on souvenirs.

The other paintings are a lesser-known Bloch-Bauer portrait as well as
"Apfelbaum" ("Apple Tree"), "Buchenwald/Birkenwald ("Beech Forest/Birch
Forest) and "Haeuser in Unterach am Attersee" (Houses in Unterach on
Attersee Lake").

Altmann is the niece of Bloch-Bauer. After Bloch-Bauer died in 1925, the
five paintings remained in her family's possession. Her husband fled to
Switzerland after the Nazis took over Austria. The Nazis then took the
paintings and the Belvedere gallery was made the formal owner.

Austria has returned more than 5,000 artworks to their rightful owners in
recent years, including 16 other Klimt paintings, Chancellor Wolfgang
Schuessel told the Kurier newspaper in an interview for Sunday's editions.

Asked if he would miss the five Klimts being restored to Altmann, Schuessel
said: "The paintings are not lost. They're only changing hands from a museum
to another owner, and hopefully will still be accessible to the public in
the future."

Copyright 2006 The Associated Press. All rights reserved.This material may
not be published, broadcast, rewritten, or redistributed.
 
 

    Ansturm auf Klimt-Bilder
    †bersicht
        Tausende Besucher nehmen an diesem Wochenende die Gelegenheit wahr,
von den fŸnf zu restituierenden Klimt-Bildern "Abschied zu nehmen". Die
…sterreichische Galerie Belvedere verzeichnete einen noch nie registrierten
Besucher-Ansturm, dem man mit Blockabfertigung in geordnete Bahnen zu lenken
versuchte.

Gestern wurden Ÿber 4.000 Besucher gezŠhlt, heute Mittag war absehbar, dass
diese Zahl am Sonntag noch Ÿbertroffen wird. Bis 18.00 Uhr sind die Bilder
noch zu sehen. Morgen werden sie abgehŠngt.

Rekordansturm auf Klimt-Bilder
Einen noch nie da gewesenen Besucheransturm hat die …sterreichische Galerie
Belvedere an diesem Wochenende verzeichnet. Tausende warfen noch einen
letzten Blick auf die Klimt-Bilder.
EndgŸltige Besucherzahlen sollen am Montag bekannt gegeben werden.Tausende
Besucher am Wochenende
4.000 Besucher am Samstag, am Sonntag sollten es nach SchŠtzungen um die
Mittagzeit noch mehr werden. Diese Zahlen wurden im Belvedere noch nie
registriert.

"An bisherigen Spitzentagen hatten wir sonst gegen 1.500 Besucher", so Klaus
Pokorny von der …sterreichischen Galerie Belvedere. "FŸr uns ist das eine
BestŠtigung, dass die Angelegenheit die Menschen nicht kalt lŠsst."
 

Bilder gehen an rechtmŠ§ige Erben
Die fŸnf Bilder "Adele Bloch-Bauer I", "Adele Bloch-Bauer II", "Der
Apfelbaum", "Buchenwald" und "HŠuser in Unterach am Attersee" von Gustav
Klimt mŸssen an die rechtmŠ§igen Erben restituiert werden. Ein Kauf durch
die Republik kam nicht zu Stande.
Am Montag abgehŠngt
"Wir wissen noch nicht, wann und von wem sie abgeholt werden, das kann aber
sehr schnell gehen", sagte Museumsdirektor Gerbert Frodl am Freitag.

Die Bilder werden am Montag abgehŠngt. "Die Bilder werden vor der †bergabe
von unseren Restauratoren noch genau untersucht, und es werden abschlie§ende
Zustandsprotokolle gemacht", so Frodl.
LŸcke schlie§en
Frodl denkt schon Ÿber das zukŸnftige Aussehen der Klimt-AusstellungsrŠume
nach:

"Die LŸcke werde ich ganz bestimmt nicht lassen. Aber wir werden dem
Publikum eine Dokumentation bieten. So dass auch jene Leute, die das nicht
mitbekommen haben, etwa Touristen, sich auch mit diesem Teil unserer
Geschichte auseinander setzen kšnnen."
 
 
 

Klimt-Bilder: Adele Bloch-Bauer, die "Dame in Gold"
*    Ikone der Kunstgeschichte wird …sterreich verlassen

"Wenn es stimmt, dass jeder PortrŠtierte in seinem Abbild zu Ÿberleben
hofft, so geht dieses KalkŸl bei Adele Bloch-Bauer besonders auf. Ihr
goldenes Bildnis, das Klimt von ihr malte, trŠgt mehr zu ihrem Nachruhm bei
als alles andere", schreibt Tobias G. Natter in seinem Buch "Die Welt von
Klimt, Schiele und Kokoschka". "In der Liste der international meist
reproduzierten GemŠlde rangiert das Bild schon lŠngst an vorderster Stelle.
Es schmŸckt tausenderlei Nippes und Verpackungen, ziert SeidentŸcher und
weniger Wertvolles."

Nun wird das Bild nach der Entscheidung der Regierung, die Klimt-GemŠlde
nicht zu kaufen, …sterreich verlassen. Das 1907 gemalte und derzeit noch in
der …sterreichischen Galerie Belvedere befindliche "Bildnis Adele
Bloch-Bauer I", die "Dame in Gold", war das zentrale Werk im Rechtsstreit
der Republik gegen die Bloch-Bauer-Erben und ist eine der Ikonen der
šsterreichischen Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts.
Zahlreiche Zeichnungen und Vorstudien belegen die Sorgfalt, mit der Klimt
jenes PortrŠt Ÿber Jahre hinweg vorbereitete. Bereits 1903 schrieb Adele in
einem Brief, man habe den Eltern zum Hochzeitstag ein gemeinsames Geschenk
machen wollen, "Mein Mann hat sich dann entschlossen, mich von Klimt
portrŠtieren zu lassen, der aber erst im Winter ans Werk schreiten kann. So
mŸssen halt meine Eltern Geduld haben." Geduld hatten auch die Bloch-Bauers,
die 1907 das Bild in Mannheim erstmals ausstellen konnten. In Wien war es
1908 im Rahmen einer Kunstschau erstmals zu sehen. Die "Wiener Allgemeine
Zeitung" schrieb von einem "Idol in einem goldenen Schrein", Peter Altenberg
schwŠrmte von einem "Endgebilde der zartesten Romantik der Natur, die HŠnde
Ausdruck einer anmutigen Seele", die Gegner konstatierten: "Mehr Blech als
Bloch".
Als "krank, leidend, immer mit Kopfweh, rauchend wie ein Schlot, furchtbar
zart, dunkel", beschrieb Maria Altmann, die Gewinnerin im
Klimt-Rechtsstreit, ihre Tante Adele (1881-1925) einmal: "Ein
durchgeistigtes Gesicht, schmal, elegant. 'SŸffisant, arrogant', so hat sie
auf mich als Kind gewirkt. Stets auf der Suche nach geistiger Anregung."
Vermutungen Ÿber eine AffŠre zwischen Adele Bloch-Bauer und Klimt gab es
Ÿbrigens immer wieder, belegen lie§en sie sich nie.
Doch als einzige Dame der Gesellschaft wurde die 1881 geborene
Industriellen-Gattin zwei Mal von Klimt portrŠtiert: 1912 entstand das
"Bildnis Adele Bloch-Bauer II", das sie stehend mit Hut zeigt und einen
farblichen Hintergrund in Rot-, Rosa-, Violett- und GrŸntšnen aufweist. "Die
beiden PortrŠts bilden das Zentrum der Klimt-Sammlung von Adele und
Ferdinand Bloch-Bauer", schreibt Natter, "Im Salon der Dame sind sie
prominent vereint. Hier hŠngen aber auch die vier Klimt-Landschaften, die
einen ŸberwŠltigenden Raumeindruck schaffen. Es sind farbintensive
Darstellungen, darin besonders dem zweiten Adele-PortrŠt verwandt. Die vier
Landschaftsbilder besitzen eine einheitliche Grš§e, messen jeweils Ÿber
einen Meter und sind durch ihre quadratische Grundform und den engen
Bildausschnitt von meditativer Geschlossenheit."
Dabei handelt es sich um "Apfelbaum I" (um 1912), "Buchenwald (Birkenwald)"
(1903), "HŠuser in Unterach am Attersee" (um 1916) und Schloss Kammer am
Attersee III (Wasserschloss)" (1910). Das letzte der angefŸhrten
LandschaftsgemŠlde wurde von Adeles Gatten Ferdinand Bloch-Bauer 1936, elf
Jahre nach ihrem Tod, dem Museum Ÿbergeben und war daher im Gegensatz zu den
anderen Bildern nicht Gegenstand des Rechtsstreits. Die Ÿbrigen Klimt-Bilder
wurden nach dem "Anschluss" von den Nazis in Ferdinand Bloch-Bauers Wohnung
konfisziert, sein Vermšgen arisiert. Ihm gelang die Flucht in die Schweiz.
Das 1917/18 entstandene Bildnis "Amalie Zuckerkandl" wird nicht nur von den
Erben der Familie Bloch-Bauer beansprucht und muss vom Schiedsgericht noch
separat bewertet werden. (apa)
 
 

05. Februar 2006
18:44    Ê   Ein Abschiednehmen voller Bedauern
Tausende Besucher warfen einen letzten Blick auf die fŸnf Klimt-GemŠlde -
Mehr als 4.000 Menschen nahmen Abschied von "Adele"
 
 

Langes Anstellen und Blockabfertigung: Die Besucher lie§en sich die letzte
Gelegenheit, die Klimtbilder im Belvedere zu sehen, dennoch nicht vergŠllen.

Aura und Abschiedsschmerz: massenhafter Andrang vor Klimts "Goldener Adele"
im Oberen Belvedere - ab Sonntag ist es vorbei mit der Schaulust in Wien.

Die Galerie Belvedere rechnet damit, dass sich am Sonntag Ÿber 4.000
Besucher vor den Klimtbildern gedrŠngt haben werden.
    Ê   Wien - Gerbert Frodl, Direktor der …sterreichischen Galerie, hŠlt
an seinem Plan, die Klimt-Bilder am Montag abzuhŠngen, fest: Er habe von E.
Randol Schoenberg, dem Anwalt von Maria Altmann, bis Sonntagnachmittag
nichts gehšrt. Er kšnne daher nicht davon ausgehen, die Bilder lŠnger zeigen
zu dŸrfen. Bildungsministerin Elisabeth Gehrer hatte am Donnerstag erklŠrt,
die Bilder stŸnden den Erben nach Ferdinand Bloch-Bauer "ab sofort" zur
VerfŸgung.

Besucheransturm

Vorher sollen die Restauratoren des Hauses allerdings noch
Zustandsprotokolle der Bilder erstellen, um eine sachgerechte †bergabe der
millionenschweren Kunstwerke zu ermšglichen. ErwartungsgemŠ§ hatte die
Entscheidung des Direktors am Wochenende einen Besucheransturm auf die
…sterreichische Galerie zur Folge.

Schon am Samstag konnte man mehr als 2.000 Besucher verzeichnen, die sich
durch die langen Warteschlangen vor dem Haus nicht abschrecken lie§en. Um
den Ansturm zu bewŠltigen, wurde man schon am Samstag nur blockweise in das
Haus eingelassen, in dem man sich weiterhin geduldig zeigen musste. Denn die
RŠume, in denen die Bilder ihre angestammten PlŠtze hatten, waren das Ziel
von insgesamt cirka 4.000 Menschen, die einen letzten Blick auf die Bilder,
angebliche StŸtzpfeiler der heimischen KunstidentitŠt, werfen wollten.

Bedauern Ÿber die langen Verhandlungen

Rund um die kostbaren GemŠlde ein vielfŠltiges Stimmengewirr mit
durchgŠngigem Tenor: "Es geht eigentlich relativ rasch", meinte eine junge
Frau vor Ort, die die RŸckgabe der Bilder zutiefst bedauert, aber "natŸrlich
fŸr rechtmŠ§ig" hŠlt.

Bedauert wurden aber nicht nur die RŸckgabe der Bilder, sondern auch die
langen Verhandlungen, die die Bilder im Preis nun unerschwinglich werden
lie§en: "Man hŠtte das alles viel frŸher regeln sollen und das erste Angebot
der Erben wahrnehmen mŸssen", meint ein Šlterer, soignierter Herr, der
anders als viele andere Besucher die Bilder nicht zum ersten Mal sieht:
"Immer wieder bin ich hergekommen," so der Fin-de-sicle-Freund, "um die
hervorragenden Bilder zu sehen." Und weil er sie nun vielleicht nie mehr
wieder sehen wird, war das lange Warten fŸr ihn einfach ein Muss.

Gelassenheit regiert

Bis auf eine deutsche Besucherin, die Klimt als einen der bedeutendsten
šsterreichischen KŸnstler bezeichnet und seine Werke deswegen in Wien und
nirgendwo anders sehen will, standen die vielen (Neo-)Klimt-Fans der
Restitution der Bilder einigerma§en gelassen gegenŸber: "Es ist schade, aber
rechtmŠ§ig und okay", lie§e sich der gemeinsame Nenner der Befragten
zusammenfassen.

FŸr einige war Ÿberhaupt erst das angekŸndigte AbhŠngen der Bilder ein
Grund, das Belvedere, sonst nicht das gelŠufigste aller Kulturausflugsziele,
festlich gestimmt zu betreten. Ein Aufseher, der die langen Schlangen
fachkundig einwies, kramte gelassen in seinem Erfahrungsschatz: SpŠtestens
gegen 17 Uhr lasse der Ansturm der Schaulustigen nach.

Restitutionsgesetz

Ein Dame in Pelzmantel erzŠhlte, dass den Klimt-Bildern ihre ersten Wiener
Museumsbesuche gegolten hŠtten: "SelbstverstŠndlich komme ich auch dann,
wenn man sie letztmals betrachten kann." Ein anderer Herr gei§elt in
nachdrŸcklichen Worten das Restitutionsgesetz, das die Ausfuhr Ÿberhaupt
erst ermšgliche. Er bleibt mit seiner Meinung, zumindest an diesem
Nachmittag, jedoch ziemlich allein. (cb/DER STANDARD, Printausgabe,
6.2.2006)
 
 

05. Februar 2006
18:54    Ê   Kopf des Tages: Die Dame hinter dem Gold
Die fortschrittlichsten KŸnstler zŠhlten ebenso zu ihren GŠsten wie
Politiker mit zukunftsweisenden Ideen

Von Cornelia Niedermeier
    Ê   "Sei umarmt von deinem Buddha" hatte Adele Bloch-Bauer 1921 einen
Brief an ihren Neffen Robert unterschrieben - den von ihrer Hand einzigen
erhaltenen.

Die 40-jŠhrige Frau, die sich selbst hier scherzhaft als im Sinn der
asiatischen Religion "Erleuchtete" bezeichnet, hatte tatsŠchlich die
Schranken des Denkens, die ihr ihre Umgebung auferlegen wollten, immer
wieder unwillig niedergerissen, um sich jene Gedanken zu Eigen zu machen,
die ihren Idealen entsprachen. Weit mutiger und entschiedener, als es das
goldene PortrŠt Gustav Klimts, von dem aus sie am Sonntag vielleicht zum
letzten Mal sanft auf ihr Publikum im Oberen Belvedere hinablŠchelte, ahnen
lŠsst.
 

Wissensdurst

Am 9. April 1881 als Tochter des jŸdischen Bankiers Moriz Bauer in Wien
geboren, entzog sich Adele den konservativen Vorgaben ihres Elternhauses
bereits im Alter von 18 Jahren durch Heirat mit dem Zuckerfabrikanten
Ferdinand Bloch-Bauer. Wissensdurstig bildete sie sich selbst - Morgen fŸr
Morgen - und abends, im eigenen Wiener Salon, wie ihre Nichte Maria Altmann
beschreibt: "Weil die Tore der Wiener UniversitŠt fŸr sie verschlossen
waren, schuf sie sich ihre eigene - ihren Salon in der Elisabethstra§e."

Die fortschrittlichsten KŸnstler - Arthur Schnitzler, Gustav Mahler und
Gustav Klimt - zŠhlten ebenso zu ihren GŠsten wie Politiker mit
zukunftsweisenden Ideen: Die Bankierstochter und Industriellengattin war,
wie Hubertus Czernin in seinem Buch Die FŠlschung schildert, befreundet mit
dem sozialdemokratischen Arzt und Politiker Julius Tandler und mit Karl
Renner, sympathisierte mit den Ideen der Sozialdemokratie. Ihre Bibliothek
vermachte sie in ihrem Testament der Wiener Volks- und Arbeiterbibliothek.
Die Vereine "Kinderfreunde" und "Die Bereitschaft" bedachte sie mit 50.000
tschechischen Kronen.

"Selbstzufriedene Menschen"

Ob sie mit Gustav Klimt tatsŠchlich, wie der amerikanische Psychiater
Salomon Grimberg vermutet, ein VerhŠltnis hatte, oder doch eher mit Karl
Renner, wer wei§ es? Geliebt hat die fortschrittliche Dame jedenfalls des
Malers Kunst: Die sechs GemŠlde Klimts im Besitz des Ehepaares Bloch-Bauer,
darunter die zwei PortrŠts, die er im Abstand von fŸnf Jahren (1907 und
1912) von ihr angefertigt hat, hingen alle in ihren PrivatrŠumen im Wiener
Palais in der Elisabethstra§e.

1925, nur 43-jŠhrig, starb Adele Bloch-Bauer Ÿberraschend an Grippe. Die
Odyssee, die ihr gŸldenes Ebenbild durch die Arisierung der
Nationalsozialisten und das schwerfŠllig arbeitende GedŠchtnis …sterreichs
antrat, und deren Ende noch nicht absehbar ist, erlebte sie nicht. Fast als
Kommentar an die Politik jedoch liest sich ein weiterer Satz aus dem Brief
an den Neffen Robert: "Selbstzufriedene Menschen sind nicht
entwicklungsfŠhig." (DER STANDARD, Printausgabe, 6.2.2006)
 
 

04. Februar 2006
21:43    Ê   SchŸssel: "Die GemŠlde gehen ja nicht verloren"
Kanzler betont bedeutende finanzielle Gesten der Regierung
 

Ê   Wien - …sterreich hat nach Angaben von Bundeskanzler SchŸssel in den
vergangenen Jahren mehr als 5000 KunstgegenstŠnde an die ursprŸnglichen
EigentŸmer und deren Erben zurŸckgegeben. Die Erbengemeinschaft
Altmann/Auersperg allein habe 1999 aus der Albertina 16 Klimt-Zeichnungen
und 22 weitere KunstgegenstŠnde zurŸckerhalten, sagte SchŸssel gegenŸber dem
"Kurier" (Sonntag-Ausgabe).

EigentŸmer

Ob er die fŸnf nun zu restituierenden Klimt-Bilder aus dem Belvedere
vermissen werde, wurde SchŸssel gefragt. Er antwortete: "Die GemŠlde gehen
ja nicht verloren. Sie wechseln nur aus einem Museum zu einem anderen
EigentŸmer und werden hoffentlich auch in Zukunft fŸr die …ffentlichkeit
zugŠnglich sein." …sterreich werde šsterreichische private KunstkŠufer durch
steuerliche Anreize unterstŸtzen.
 

KomplexitŠt

Warum noch viele RestitutionsfŠlle offen sind, erklŠrte SchŸssel mit der
KomplexitŠt der Verfahren. "Gerade die Klimt-Bilder zeigen auch, dass die
Fakten sehr vielschichtig und aufwŠndig zu recherchieren sind." Neben der
Frage der Geschwindigkeit bei der Erledigung der FŠlle sei auch die Frage
der SeriositŠt und die GrŸndlichkeit ein wichtiger Aspekt.

RŸckgabegesetz

SchŸssel betonte, dass es Elisabeth Gehrer (V) gewesen sei, die als
zustŠndige Kulturministerin das KulturgŸter-RŸckgabegesetz eingebracht hat,
das 1998 einstimmig im Parlament beschlossen wurde. "Mit dem
Zwangsarbeiterfonds und dem EntschŠdigungsfonds wurden von dieser Regierung
bedeutende finanzielle Gesten gesetzt." (APA)
 
 

http://www.kurier.at/oesterreich/1268551.php

Es ist alles nur geklaut
 
Egon Schieles "Bildnis Wally": In New York als "Diebsgut" beschlagnahmt.
 

Die "Wally" war's: Das Schiele-GemŠlde wurde 1998 gemeinsam mit der "Toten
Stadt IIÒ wŠhrend einer Ausstellung in New York als "Diebsgut"
beschlagnahmt. Daraus ergab sich fŸr …sterreich akuter Handlungsbedarf. Der
internationale Druck, sich endlich intensiv mit der EntschŠdigung jŸdischer
NS-Opfer zu beschŠftigen, war zu gro§ geworden.

Noch 1998 wurde das "Beutekunst"-Restitutionsgesetz beschlossen. Ein gro§es
EntschŠdigungspaket mit Zwangsarbeiter- und EntschŠdigungsfonds folgte.
Die "Wally" harrt immer noch in einem New-Yorker Depot aus. Ihre Zukunft ist
ungewiss. Die "Tote Stadt" kam ins Leopold-Museum zurŸck. 5060 andere
Kunstwerke haben neue, bzw. alte Besitzer bekommen. Wie bei den
Klimt-Bildern, geht nicht immer alles glatt.

StreitfŠlle

Das Bildnis "Amalie Zuckerkandl" Ð auch ein Klimt-Werk aus der
…sterreichischen Galerie im Belvedere Ð ist ein weiterer Fall fŸr ein
Schiedsgericht. Zwei Familien erheben Anspruch: Die Familie MŸller Hoffmann
(die Erben der Amalie Zuckerkandl) und die Erben der Familie Bloch-Bauer.

Zweitere wollen von der …sterreichischen Galerie auch zwei Steinskulpturen.
Die "Knieenden Knaben" von Georges Minne, einst im Wiener Palais der
Bloch-Bauers.

Bekannte Namen sind bei Edvard Munchs "Sommernacht am Strand" (derzeit
…sterreichische Galerie) im Spiel. Marina Mahler, die Enkelin der legendŠren
Alma-Mahler-Werfel, will das Bild haben. 1999 lehnte der RŸckgabebeirat die
Restitution ab Ð ein Fehler, sagen Experten.

Die Gemeinde Lienz ist einer Auseinandersetzung aus dem Weg gegangen. Sie
will das …lgemŠlde "Totentanz" von Albin Egger-Lienz an die Tochter der
ehemaligen Besitzerin, Herta Fox, zurŸckgeben. Dabei glaubt man in Lienz,
die Restitution wŠre rechtlich nicht notwendig.

Gro§zŸgig

Eine solche "Gro§zŸgigkeit" hŠlt auch der Wiener Restitutionsbeauftragte,
Kurt Scholz, fŸr notwendig. Die Gemeinde habe sogar Bilder zurŸckgegeben,
die dem Wien-Museum erst 1951 offiziell vom Besitzer geschenkt wurden.

Trotz Aufsehen erregender Aktionen Ð 1999 wurden 250 Objekte aus der
Sammlung Rothschild zurŸckgegeben und dann um 1,2 Milliarden Schilling
versteigert Ð ist die Kunstrestitution noch lange nicht abgeschlossen. Viele
Museen forschen noch immer Ð mehr oder weniger intensiv Ð nach der Herkunft
ihrer Ausstellungsobjekte.

BeschŠmend

Laut israelitischer Kultusgemeinde sind viele FŠlle strittig. PrŠsident
Ariel Muzicant urteilt hart: "Von 1945 bis 1998 war die Situation
beschŠmend. Man hat versucht, sich mšglichst viel unter den Nagel zu
rei§en." Das Restitutionsgesetz sei "vorbildlich". Im Laufe der DurchfŸhrung
hŠtten sich jedoch MŠngel aufgetan.

Muzicant kritisiert vor allem, dass die "Sammlung Leopold", die heute der
Republik gehšrt, wie Privatstiftungen vom Gesetz ausgenommen ist. Auch ein
Anhšrungsrecht fŸr Antragssteller fehle.

Der "Grundton" sei noch immer nicht gut. Auch bei den Klimtbildern sei nur
Ÿber das Problem des RŸckkaufs gesprochen worden. "Es hŠtte sich gehšrt, ein
wenig Emotion in Richtung Opfer zu zeigen und anzuerkennen, dass etwas
falsch gelaufen ist." Muzicants ResŸmee: "Der Ton macht die Musik."

Artikel vom 04.02.2006 |KURIER (Printausgabe) |Henriette Horny, Magdalena
Rauscher-Weber
 
 

Tausende "letzte Blicke"
     Einen noch nie dagewesenen Besucherandrang hat die …sterreichische
Galerie im Oberen Belvedere am Wochenende erlebt. Der Anlass des
Besucheransturms, der das Museum sogar zur Blockabfertigung nštigte, waren
jene Klimt-Bilder, die nun ihren rechtmŠ§igen Besitzern zurŸckgegeben
werden. Am Sonntag waren Klimts berŸhmteste GemŠlde, unter ihnen "Adele
Bloch-Bauer I", zum letzten Mal im Belvedere zu sehen. Am Montag kšnnen die
Besitzer die Bilder abholen.
 

Besucher blockweise abgefertigt
Tausende Besucher warfen einen letzten Blick auf die fŸnf Klimt-GemŠlde.

    Ê   Tausende Besucher nahmen an diesem Wochenende die Gelegenheit wahr,
von den fŸnf zu restituierenden Klimt-Bildern Abschied zu nehmen.

Die …sterreichische Galerie Belvedere verzeichnete einen noch nie
registrierten Besucheransturm, den man mit Blockabfertigung in geordnete
Bahnen zu lenken versuchte.

Vielfaches der normalen Frequenz

Am Samstag waren bereits Ÿber 4.000 Besucher gezŠhlt worden, am Sonntag
hatte sich bereits zu Mittag abgezeichnet, dass diese Zahl noch Ÿbertroffen
werden wŸrde. Eine genaue Besucherbilanz des Rekordwochenendes soll
Montagmittag vorliegen.

Die Bilder waren bis 18.00 Uhr zu sehen - eine VerlŠngerung der
…ffnungszeiten lehnte das Museum trotz des plštzlichen Interesses jedoch ab.

"LŠsst Menschen nicht kalt"

"An bisherigen Spitzentagen hatten wir sonst gegen 1.500 Besucher", sah der
Pressesprecher des Museums, Klaus Pokorny, sein Haus auf Rekordkurs. "FŸr
uns ist es eine BestŠtigung, dass die Angelegenheit die Menschen nicht kalt
lŠsst."

Letzte Untersuchung der Bilder

Am Montag werden die Bilder abgehŠngt, von Restauratoren noch einmal
untersucht, abschlie§ende Zustandsprotokolle erstellt. Dann werden die
Bilder fachgerecht verpackt.

"Wir wissen noch nicht, wann und von wem sie abgeholt werden, das kann aber
sehr schnell gehen", hatte Museumsdirektor Gerbert Frodl am Freitag gesagt.

Bilder gehen an rechtmŠ§ige Erben

Die fŸnf Bilder "Adele Bloch-Bauer I", "Adele Bloch-Bauer II", "Der
Apfelbaum", "Buchenwald" und "HŠuser in Unterach am Attersee" mŸssen an die
rechtmŠ§igen Erben restituiert werden. Ein Kauf durch die Republik kam nicht
zu Stande.

Keine LŸcke

Frodl denkt schon Ÿber das zukŸnftige Aussehen der Klimt-AusstellungsrŠume
nach. Die LŸcke werde er "ganz bestimmt" nicht lassen. "Aber wir werden dem
Publikum eine Dokumentation bieten. So dass auch jene Leute, die das nicht
mitbekommen haben, etwa Touristen, sich auch mit diesem Teil unserer
Geschichte auseinander setzen kšnnen."